"Ian Curtis war aber Bariton"

 

Mit diesem Satz wurde Choir Division aus der Taufe gehoben. Gesagt wurde er von Holger Winkelmann zu Lorenz Ritter. Ersterer sang als Bass im Chor der Christianskirche in Hamburg-Altona. Letzterer half dort als Tenor aus und trug wie so oft sein „Unknown Pleasures“ T-Shirt.

 

Ritter ist seit seiner Jugend Fan von Joy Division und war selbst in verschiedenen Bands tätig, die es ohne Joy Division nicht gegeben hätte. Die Idee einen Chor zu gründen, der Joy Division Stücke in klassisch anmutenden Bearbeitungen singt, hatte er schon lange: „Ich war sicher, dass das funktioniert. Aber ich kann keine Chorsätze schreiben, also schien das eines der vielen „Man-Müsste-Mal- Projekte“ zu bleiben. Ich hab die Idee aber einfach jedem erzählt, von dem ich dachte, er könnte vielleicht was damit anfangen. Die Reaktionen haben gezeigt, dass die Idee gut war. Aber erst, als ich mit Holger ein weiteres Opfer gefunden hatte, dem ich von der Idee erzählen konnte, nahm das ganze Fahrt auf.“

 

Schon am Sonntag nach der Probe drückte Winkelmann Ritter eine Partitur von „The Eternal“ in die Hand: „Hier, hab ich mal geschrieben.“ Erst damit stellte sich heraus, dass Holger Winkelmann Notenbibliothekar der Hamburger Staatsoper ist und Notensätze zu schreiben Teil seines Berufs ist. In den frühen 80ern war er in der Hamburger Punkszene unterwegs und ebenfalls großer Joy Division Fan. So war das Projekt geboren. Nach und nach rekrutierten die beiden die Chormitglieder und vier Monate später stieg die erste Probe.

 

Choir Divison besteht jetzt aus etwa 20 Sängerinnen und Sängern aus ganz unterschiedlichen Umfeldern. Manche kennen Joy Division seit Anton Corbijns Bio-Pic „Control“, andere sind schon lange Fans der Band. Das Alter liegt zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Fünfzig. „Das Repertoire von Joy Division ist natürlich endlich“, so Winkelmann, „deshalb nehmen wir auch Stücke ins Programm, die aus der gleichen Zeit kommen, eine ähnliche Stimmung haben – oder einfach von New Order, der Nachfolgeband von Joy Division, sind.“ So arbeitet Choir Division auch an Stücken von z.B. Sex Pistols.

 

 

Im legendären Alien Network Studio, in dem schon Prollhead, Rocko Schamoni und Jacques Palminger aufgenommen haben, nahm Choir Divison das erste Demo auf. „Wir treten vor allem im Vorprogramm von Bands auf, die zu Joy Division passen. Junge Post-Punk Epigonen und so. In Clubs, nicht in Konzertsälen. Das Indie-Publikum mit irgendwie bekannter Musik in neuer Form überraschen und am Ende vielleicht sogar begeistern.“ Das ist die Idee von Choir Division.